Ankunft in Ho Chi Minh City


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Ankunft in Ho Chi Minh City

Ho Chi Minh City Vietnam Nightlife Rush Hour Nachtleben

2015/2016 entschieden wir uns, durch Vietnam zu reisen – auf dem Motorrad von Ho Chi Minh City nach Hanoi. 2.400km voller Abenteuer, unglaublich toller Menschen und atemberaubenden Landschaften.

Ho Chi Minh City – das Abenteuer beginnt

Das Erste, an das ich mich in Vietnam erinnere, ist die heiße Luft, die mir beim Verlassen des Flughafens ins Gesicht schlägt. Da waren wir nun – Ho Chi Minh City oder Saigon, wie die Stadt noch immer oft genannt wird. 4 Wochen wollen wir bleiben und reisen. Von Süd nach Nord, von Ho Chi Minh City nach Hanoi – mit dem Motorrad. Wir schultern unsere Rucksäcke und versuchen uns vor dem Eingang des Flughafens erst einmal zu orientieren. „Wir müssen den richtigen Bus Richtung Zentrum erwischen, ich glaube die Nummer 152!“ höre ich von Sebo.

Ho Chi Minh City Airport Vietnam

Ho Chi Minh City Flughafen Vietnam

Einige Taxifahrer kommen uns bereits entgegen, um Ihre Dienste anzubieten. Hello you sir and madame! Need taxi?“, fragt mich ein freundlich lächelnder Vietnamese in einem bunt gemusterten Hemd. „No thank you, we´ll  take the…“ – weiter komme ich nicht, denn einige Meter weiter erkenne ich  einen aufgeregt winkenden Sebo, der scheinbar mit Hilfe eines Einheimischen den richtigen Bus gefunden hat. Für einige Dong kaufen wir zwei Fahrkarten Richtung Zentrum. Kaum ist der Bus losgefahren, wird mir das erste Mal richtig bewusst, worauf ich mich da eingelassen habe. Motorräder, Roller, Busse, Taxis und Tuk Tuks – ÜBERALL. Dazwischen drängeln sich zusätzlich Verkäufer zu Fuß oder auf ihren Fahrrädern. Mir wird kurz schlecht. Hier wollen wir Motorrad fahren? Das endet in einer absoluten Katastrophe.

Bus 152 Ho Chi Minh City Backpack Airport

Saigon Bus 152

Zu diesem Zeitpunkt war ich fast 3 Jahre lang kein Motorrad mehr gefahren und ich bezweifelte, dem ganzen Chaos gewachsen zu sein. „Wir werden draufgehen“, flüstere ich Sebo zu, “meinst du das immer noch Ernst mit dem Trip? Hast du dir das Gewusel da draußen mal angeschaut?“ „Naja“, sagt er, „das ist tatsächlich schon eine andere Nummer, als bei uns zu Hause….aber das haben schon ganz andere Leute gemacht und auch geschafft. Dann schaffen wir das auch!“ Er legt den Arm um mich und ich versuche erst einmal nicht daran zu denken. Es wird schließlich noch ein paar Tage dauern, bis wir mit Motorrädern unterwegs sind.   

Ho Chi Minh City Traffic Jam Stau Verkehr

Vietnam Stau und Roller

 

Wie man in Vietnam an ein Motorrad kommt

Apropos Motorräder…die hatten wir zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht. Als Backpacker in Vietnam hat man zwei Möglichkeiten, an einen fahrenden Untersatz zu kommen: Motorräder mieten oder Motorräder kaufen. Wir entschieden uns für Letzteres, da Start und Ziel nicht der gleiche Ort sein würde und zudem wollten wir unterwegs unabhängig sein.  

Der Bus schiebt sich langsam durch das Verkehrschaos von Ho Chi Minh City und wir erreichen unser Ziel. Nach einem kurzen Fußmarsch ist auch das Hostel gefunden und die Rucksäcke verstaut.  Hunger macht sich breit und so genießen wir wenig später an einer Straßenküche unsere erste Pho Bo (Rindfleischsuppe mit Reisnudeln), während wir das Treiben auf der Straße beobachten. Mir ist es noch immer ein Rätsel, wie der ganze Verkehr unfallfrei funktioniert: Alles schlängelt sich wie einstudiert aneinander vorbei, wirklich unglaublich. Selbst die Straße überqueren wird hier zur Herausforderung. Die Busse in Vietnam bedienen sich hier eines zusätzlichen Features: Blinker mit Ton. Sehr praktisch, dieses Frühwarnsystem – wenn man es unter den sowieso wild hupenden Verkehrsteilnehmern überhaupt hört… 

Einen Tag später sitzen wir bei Abenddämmerung in einem kleinen Café und genießen unseren ersten „Ca phe sua“ (Vietnamesischer Eiskaffee). „Wie wollen wir das Ganze mit den Motorrädern denn nun angehen?“, fragt mich Sebo. Da wir diesbezüglich schon in Deutschland recherchiert hatten, entschieden wir uns recht schnell für eine Ankauf-/Verkauf-Plattform mit dem Namen Travelswop. Auf dieser Seite werden haufenweise Motorräder und Roller zum Verkauf angeboten, von Backpackern für Backpacker.

Die legendäre Honda Win

Wir hatten uns bereits vor der Reise für ein Modell entschieden: Honda Win. Diese kleine 100 Kubik Maschine, die eher einer Simson ähnelt als einem Motorrad, ist der Klassiker unter den Rucksackreisenden. Der Preis ist fast immer gleich und hat nahezu keinen Wertverfall: um die 250 US Dollar. Es gibt bestimmt Modelle, die schneller, sicherer oder schöner sind, wir wollten aber das authentische Vietnam auf echten vietnamesischen Motorrädern erleben. Wenn wir grade von Motorrädern sprechen…die Honda Win wurde offiziell nie von Honda hergestellt, man sieht sie aber trotzdem an jeder Straßenecke. Viele Modelle werden bereits mit einem montierten Gepäckträger verkauft, was uns nur recht war.

Vietnam Honda Win

Vietnam Honda Win

Ein paar Tage später stehen wir an einer Straßenecke und warten auf Anne und Mike, ein deutsches Pärchen, das gerade aus dem Norden mit zwei Honda Wins Richtung HCMC unterwegs ist. Diese sollen bestenfalls im Doppelpack verkauft werden, was uns sehr entgegen kommt. Bereits am Abend desselben Tages stehen wir schwitzend an einem ATM und heben das Geld für die beiden Honda Wins ab. 12 Millionen Dong, umgerechnet 500 Euro bezahlen wir für die beiden Knatterschlangen. Da stehen wir nun mit einer gehörigen Portion Adrenalin im Blut mitten auf einer Hauptverkehrsstraße in Saigon mit zwei Motorrädern, das nun uns gehören. „Was mache ich hier eigentlich?“, frage ich mich selbst etwas verunsichert.  

Niemals nach hinten schauen

Mike und Anne geben uns netterweise noch einige Tipps: „Einfach nie nach hinten schauen. Da bekommt man nur Panik. Die Vietnamesen fahren in den Städten nicht schnell und nehmen sehr viel Rücksicht. Aufpassen solltet ihr bei allem, was vier Räder besitzt. Busse und Autos haben immer Vorfahrt. Und ganz wichtig: hupen!“ 

Abenteuerlich wird es werden, denn an den Motorrädern funktioniert außer dem Motor und der Hupe nicht wirklich viel: Tacho kaputt, Bremsen so lala (Trommelbremsen olé!), Stoßdämpfer durch und der Leerlauf geht nur mit viiiieeel Gefühl oder gar nicht rein, kein Spiegel gleicht dem anderen und der Tankdeckel ist nicht ganz dicht. Auf dem Rückweg zum Hostel verabschiedet sich dann noch mein Licht und so beschließen wir noch schnell an einer Werkstatt um die Ecke beheben zu lassen. Der kompetente Vietnamese, dem die Werkstatt zu gehören scheint, schafft das auch mit Hilfe einer Plastiktüte, die er als Isolierung für Kabel verwendet. Leider wird dabei mein E-Starter demontiert, weil das Kabel noch anderweitig benötigt wird. Ich werde also die nächsten 3 Wochen mein Motorrad ankicken müssen, aber immerhin habe ich wieder Licht. Woho!

Honda Win Backpacking Vietnam

Honda Win Vietnam

Wir ketten die beiden Motorräder vor dem Hostel an und ich frage eine vietnamesische Mitarbeiterin, wann denn die beste Zeit zum Verlassen der Stadt wäre: „When is the best time to leave the city, maybe without so much traffic?“ Sie schaut mich erst etwas ungläubig an, antwortet mir dann aber: „Never. There is always traffic.“ Oh. Wow. Ok. Ich fange wieder an zu schwitzen und überbringe Sebo die Nachricht. Er schmunzelt, reicht mir ein Bier und sagt: „Klappt schon! Einfach machen.“

Hen gap lei, Ho Chi Minh City!

Ho Chi Minh City – Es ist der nächste Morgen, gegen 6 Uhr in der Früh. An Schlaf war natürlich kaum zu denken, die Aufregung war zu groß. Die Luft ist so warm und feucht, als wäre man in eine warme, nasse Wolldecke eingewickelt. Wir schnallen die Rucksäcke mit Expandern auf den Motorrad-Gepäckträger und suchen erstmal auf dem Handy den richtigen Weg Richtung Norden. Heute wollen wir bis nach Mui Ne kommen, 205 km liegen vor uns. Jetzt wird es ernst, meine Feuertaufe steht bevor. Ein kurzer Blick nach links, Kupplung kommen lassen, etwas Gas und schwupps ist man Teil des niemals abreissenden Verkehr von Ho Chi Minh City. Erstaunlich einfach?! Es ist wahrscheinlich wie Sebo gesagt hat: Klappt schon, einfach machen! 

 

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