Von Ho Chi Minh City nach Mui Ne


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Von Ho Chi Minh City nach Mui Ne

Honda Win Backpacking Vietnam

Endlich sind wir mit den Motorrädern von Ho Chi Minh City gestartet. Auf dem berüchtigten Highway One sind wir nun unterwegs Richtung Küste zu unserer nächsten Station Mui Ne. 

Bremsen, kuppeln, stehen 

Fast 3 Stunden haben wir für die ersten 20 Kilometer raus aus Ho Chi Minh City benötigt – und das nicht aus eigenem Verschulden: Stau, Horden von Rollern, Fahrrädern, LKWs und Busse, Taxis, Autos. Alle drängeln und schieben sich aneinander vorbei, als hinge davon ihr Leben ab und dennoch passiert das alles respektvoll und unfallfrei. Schnell haben wir unser Fahrverhalten angepasst und ernten hierfür ausgestreckte Daumen, Hupkonzerte und das freudige Gejubel anderer Verkehrsteilnehmer. Großartig, wie die Vietnamesen sich freuen uns auf der Straße zu treffen. Einfach langsam aber bestimmt durchschieben, immer mit der Ruhe, immer mit Bedacht. Schnell sind wir ohnehin nicht auf unseren Knatterkisten unterwegs – 50km/h Spitze schaffen die Raketen. Bremsen, kuppeln, stehen, bremsen, kuppeln, stehen, kuppeln, Gas, zwei Meter fahren, bremsen, stehen – eine gefühlte Ewigkeit.

Vietnam Ho Chi Minh to Hanoi

Vietnam Ho Chi Minh nach Hanoi

Endlich wird es besser, die Fahrbahn teilt sich mehrfach und wir sind raus aus der Menge. Sebo schmeißt freudestrahlend einen Arm in die Luft und macht die Siegerpose. Die Reizüberflutung ebbt mit jedem gefahrenen Kilometer ab und wir können erstmals das Motorrad fahren ein Wenig genießen. Wir merken recht schnell, dass wir unsere Fahrtzeit sehr optimistisch geschätzt haben, am ersten Tag sitzen wir fast 10 Stunden auf dem Motorrad und wir sind froh, als die ersten Schilder von Mui Ne erscheinen. Mit leichtem Regen fahren wir bei Einbruch der Nacht in die Stadt ein und versuchen verzweifelt, das anvisierte Hotel zu finden, was uns leider nicht gelingt. Nach einigem ahnungslosen Herumkurven beschließen wir letztendlich, auf gut Glück eine bezahlbare Unterkunft zu suchen und schon beim dritten Versuch haben wir Erfolg. Es ist nicht das Hilton, doch mehr als ein Bett, eine warme Dusche und Platz für die nassen Klamotten brauchen wir nicht. Schnell sind die Motorräder abgeladen und wir besuchen das gegenüber liegende Restaurant. HUNGER!  

Klein Russland in Vietnam 

Schon bei unserer Ankunft in Mui Ne fallen uns die kyrillischen Schriftzeichen auf den Schildern vieler Restaurants auf und wir merken recht schnell, dass der Großteil der Touristen russische Staatsbürger zu sein scheinen. Selbst die Karte im Restaurant gegenüber gibt es nur auf Russisch oder vietnamesisch. Wenigstens ist diese Speisekarte mit kleinen Abbildungen des jeweiligen Gerichts versehen und so schaffen wir es mit letzter Kraft, gebratenen Reis und ein paar Bier zu bestellen. Die Füße sind noch immer nass, als wir wieder Richtung Hotel aufbrechen. Mit vollem Bauch und tausend neuen Eindrücken schaffen wir es grade noch so zu duschen und dann völlig übermüdet einzuschlafen.

Vietnam Mundschutz Smog Protection

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Der Wecker klingelt gegen 7 Uhr in der Früh am nächsten Morgen. Wir kämpfen uns noch völlig übermüdet aus den Federn und werfen einen ersten Blick aus dem Fenster. Sonne! Kein Regen mehr! Und die Motorräder stehen auch noch. Alles gut. Kurze Morgentoilette, trockene Kleidung an, Rucksack packen und weiter. Beim Verlassen des Hotelzimmers schlägt uns die altbekannte feuchte Luft entgegen, wir schwitzen – mal wieder. Plötzlich bemerken wir, dass unser Hotel direkt an einem weißen Sandstrand, nur ca. 50 Meter vom Meer entfernt liegt. Heftig, was man unter Müdigkeit alles ausblendet. Wir schwingen uns auf die Motorräder und fahren erst einmal in die Innenstadt von Mui Ne um Frühstück und eine Werkstatt aufzusuchen. 

Zweimal Ölwechsel, bitte! 

Auf dem Marktplatz von Mui Ne herrscht reges Treiben, wir besorgen einige Knabbereien und Obst zum Frühstück. Die Suche nach einer Werkstatt gestaltet sich ebenfalls sehr einfach, schnell sind die Knatterkisten vor der umgebauten Garage geparkt: „Xin ciao, oil change?!“  frage ich den netten Mechaniker, der uns mit abgewetztem Shirt, FlipFlops und ölverschmierten Fingern entgegen kommt. „Ha???“, fragt der Vietnamese etwas unsicher. „Oil change, we need new oil!“, sagt Sebo und zeigt erst auf den Motor und macht dann eine Handbewegung wie ein Fußballcoach, der einen Auswechselspieler möchte. „Aaaaaah okay siiir, no problem!“, entgegnet der Mechaniker und schiebt uns zwei Plastikhocker als Sitzgelegenheit zu.

Vietnam Oil Change Ölwechsel

Vietnam Ölwechsel Honda Win

Wir nehmen dankend Platz und fangen an, das gekaufte Obst zu essen. Fast bleibt uns der erste Bissen im Hals stecken, als wir beobachten, wie hier in Vietnam ein Ölwechsel von Statten geht:  

  • Motorrad auf den Hauptständer bugsieren  
  • einen alten Wok, eine abgeschnittene Platikflasche oder ein anderes Auffangsbehältnis unter den Motor schieben 
  • Ölschraube lösen, Öleinfüllstutzen lösen  
  • das alte Öl in ein Behältnis laufen lassen und dabei auf jeden Fall die Hälfte verlieren (oder von vornherein ein zu kleines Gefäß wählen, damit die Hälfte später überläuft)  
  • einen kleinen Kompressor für Druckluft starten 
  • die angeschlossene Druckluftpistole in den Öleinfüllstutzen einführen (macht der das wirklich?) 
  • ein paarmal kräftig Luft in den Motor blasen, damit auch alle Ölreste heraus laufen (Oh Gott!) 
  • Ölschraube festdrehen 
  • Neues Öl einfüllen und dabei auch wieder die Hälfte daneben schütten (Aaaah!) 
  • Öleinfüllstutzen schließen 
  • Zigarette endlich ausdrücken, die sicherheitshalber während des ganzen Vorgangs mit 5 cm Asche brennend zwischen zwei Fingern geklemmt, steckte (ich glaub nix mehr) 
  • Umgerechnet knapp 3 Euro pro Motorrad bezahlen 
Vietnamese Garage Vietnamesische Werkstatt

Vietnamesische Werkstatt

Betrachtet man als Motorrad-Tourist, der den Standard deutscher, fast klinisch reiner Werkstätten gewohnt ist, so ein Schauspiel, möchte man am liebsten schreiend aufspringen und allen Mechanikern auf die Finger hauen. Fahren die Motorräder noch, nachdem Luft (!) in den Motorraum gepumpt wurde? Uns wird schnell klar, dass alles mit rechten Dingen zugeht, als wir beobachten, dass andere Werkstattbesucher Ihren Motorrädern dieselbe Prozedur spendieren.

Vietnam Oil Change Ölwechsel 2

Noch ein Ölwechsel | Honda Win

Der freundliche Werkstattmeister rollt uns beide Motorräder noch in Fahrtrichtung rückwärts aus der Garage und nimmt lächelnd die Geldscheine entgegen. Mit einem „Cam on (Danke) and bye bye!“ verabschieden wir uns, die Motorräder springen problemlos an, rauchen ein wenig, fahren sich aber besser als jemals zuvor. „Wohoooo, schau mal, da ist das Meer!“ ruft Sebo, als er mit knatterndem Motor an mir vorbeizieht. Ich atme tief ein, rieche Rauch, Abgase, Öl, Tee, Blumen, Salzwasser, Benzin und gegrilltes Fleisch. Ich sehe Kinder am Straßenrand spielen, ältere Vietnamesen beim Kaffee trinken, wildes Gewusel auf dem Markt. Ich gebe Gas. Gänsehaut. Der Kopf ist frei, endlich geht es weiter. Vietnam, wir lieben dich jetzt schon!

Nächstes Ziel: Dalat.  

     

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